DIE SUPPLY CHAIN AUF EINEN BLICK

Eine Lieferkette (Supply Chain) ist ein Netzwerk von Personen, Unternehmen, Produzenten, Lieferanten und Endkonsumenten, die durch eine Wertschöpfungskette miteinander verbunden sind. Die Teilnehmer bilden die sogenannten Glieder einer Supply Chain ausgehend vom Zulieferer bis hin zum Endkunden.

Neben diesen sechs Elementen gibt es wiederum drei Komponenten, welche miteinander verbunden sind:

  1. Informationsfluss: Es werden beispielsweise Auskünfte von aktuellen Aufträgen, Lieferständen und Störungen kommuniziert. Ziel ist es durch eine laufende Kommunikation und einen ständigen Informationsfluss, die Supply Chain transparent zu gestalten.
  2. Finanzfluss: Der Finanzfluss steuert im Allgemeinen die Besitzverhältnisse entlang der Lieferkette und somit Kreditbedingungen, Zahlungspläne, etc. 
  3. Warenfluss: Der Warenfluss umfasst den Weg, den Waren beginnend vom Lieferanten bis zum Kunden zurücklegen. Auch eine potenzielle Warenrückgabe ist im Warenfluss ersichtlich.

Je nach Größe des Unternehmens und Länge der Lieferkette gibt es eine Vielzahl an Komponenten, was zu einer zunehmenden Komplexität und Vernetzung der Supply Chain und deren Bestandteilen führt. Durch den schnellen technologischen Fortschritt nimmt die Konnektivität und gegenseitige Abhängigkeit der einzelnen Teile zu, was folglich ein gesamtes Lieferkettennetzwerk oder Supply Chain Network entstehen lässt.

WORUM GEHT ES IM SUPPLY CHAIN MANAGEMENT (SCM)?

Supply Chain Management (Lieferkettenmanagement) beschäftigt sich mit der aktiven Organisation, Kontrolle und Steuerung des gesamten Wertschöpfungsprozesses von Waren und Dienstleistungen und aller logistischer Abläufe vom Produzenten bis zum Endkunden. Dabei ist das SCM ist für die aktive Gestaltung der Prozesse verantwortlich, um Märkte und Kunden zeit- und kosteneffizient mit Gütern und Dienstleistungen versorgen zu können.

Aufgaben und Ziele des Supply Chain Managements

  • Planung und Steuerung der gesamten Lieferkette
  • Verbesserung der Effizienz, des Kundennutzens und der Wirtschaftlichkeit
  • Förderung der Zusammenarbeit aller Akteure
  • Stärkung des Informationsaustausches
  • Verbindung von Abteilungen
  • Vorantreiben von Innovation

 

Supply Chain Management vs. Logistik

Die Logistik umfasst lediglich den Transport und verändert nur wo sich ein Produkt zu einer bestimmten Zeit befindet. Die Logistik verändert dabei nicht das Produkt bzw. die Leistung selbst.

Beispiel: Unternehmen B verkauft regelmäßig abgepackten Kaffee an Unternehmen A. Eine Spedition wird mit dem Transport der Ware beauftragt. Die Spedition erhöht die Transportkosten. Was kann Unternehmen B tun, um dennoch den erwarteten Gewinn zu erzielen? Aus Sicht der Logistik bietet es sich an den Verkaufspreis zu erhöhen. Die Supply Chain wird dadurch nicht effizienter gestaltet, da es lediglich zu einer Kostenverlagerung zu Lasten von Unternehmen A kommt. 

Das Supply Chain Management versucht eine für alle Akteure entlang der Lieferkette, attraktive Basis zu schaffen und greift dabei ua auch in das Produkt bzw. in die Leistung selbst ein. Somit umfasst das SCM weit mehr als die reine Logistik, indem es alle Prozesse von der Produktion bis zur Warenlieferung an den Endkunden berührt.

Beispiel: Im oben angeführten Beispiel sieht das SCM eine Alternative zur Erhöhung des Verkaufspreises. Durch die Veränderung der Produktverpackung können bei gleichbleibenden Transportgesamtkosten mehr Kaffeepackungen auf eine Palette gebracht werden. Dadurch können Logistikkosten für die einzelne Kaffeepackungen gesenkt und zugleich ein Vorteil für alle Akteure entlang der Supply Chain geschaffen werden. 

 

Tipps für erfolgreiches Supply Chain Management

  • Kooperation und Kommunikation – Stellen Sie sicher, dass alle Unternehmen entlang der Supply Chain eingebunden sind, um Vertrauen aufzubauen, Wissen auszutauschen, die internationale Vernetzung zu ermöglichen und somit Vorteile für alle Beteiligten zu schaffen. Arbeiten Sie dafür gemeinsame Ziele und Strategien aus, um die Lieferkette gemeinsam zu optimieren.

  • Reaktionsfähigkeit – Entwickeln Sie die Fähigkeit schnell auf Veränderungen, beispielsweise auf den Ausfall einer Lieferung, reagieren zu können, indem Sie sich z.B. bereits im Vorhinein alternative Lieferanten suchen (multiple sourcing vs. single sourcing).
  • IT-Systeme – Überprüfen Sie Ihre IT-Systeme wie zum Beispiel Ihr ERP-System. Die IT-Systeme müssen auf die Lieferkette abgestimmt sein, um mit den anderen Unternehmen entlang der Supply Chain bestmöglich vernetzt sein zu können. Prüfen Sie die Möglichkeit einer Vereinheitlichung der IT-Systeme, um gemeinsame Standards zu schaffen und eine engere Zusammenarbeit zu fördern.
  • Transparenz – Sorgen Sie für Transparenz entlang Ihrer Lieferkette, indem Sie relevante Kennzahlen (KPIs) definieren. Dadurch ermöglichen Sie den anderen Unternehmen entlang der Supply Chain den Zugang zu wichtigen Informationen. Durch das Schaffen von Transparenz können Sie die Robustheit Ihrer Lieferkette verbessern.

 

FRAGEN UND BEGRIFFE ZUM SUPPLY CHAIN MANAGEMENT

  • Was versteht man unter dem Begriff Tier?

Mit der Bezeichnung Tier-1, Tier-2, Tier-3, Tier-n, etc. wird der Abstand des Lieferanten vom Produzenten des Endproduktes, des sogenannten Original Equipment Manufacturer (OEM), bezeichnet.   

  • Was bedeutet der Begriff OEM?

Die Abkürzung OEM steht für Original Equipment Manufacturer, was so viel wie Erstausrüster bzw. Originalteilhersteller bedeutet. Achtung: Abhängig von der jeweiligen Branche unterscheidet sich die Verwendung des Begriffs OEM. In der Automobilindustrie wird der Begriff beispielsweise als Synonym für Fahrzeughersteller verwendet.

  • Was ist Sustainable Supply Chain Management (SCCM)?

Beim SSCM handelt es sich um nachhaltiges Lieferkettenmanagement, welches ökologische, ökonomische und soziale Aspekte bei der Gestaltung der Lieferkette berücksichtigt. Es werden die Schonung von Ressourcen, die Reduktion des CO2-Fußabdrucks und die Verantwortung gegenüber der Umwelt in den Fokus gestellt.

Unter Supply Chain Risk Management versteht man das Management von potenziellen Risiken entlang der Supply Chain, wie der Ausfall eines Lieferanten, um die Störungsanfälligkeit einer Lieferkette zu reduzieren und deren Robustheit und Resilienz zu steigern

  • Wann spricht man von einer resilienten Supply Chain?

Der Ausdruck resiliente Supply Chain beschreibt die Fähigkeit einer Supply Chain auf nicht vorhersehbare Störungen vorbereitet zu sein, um auf diese auch entsprechend reagieren zu können. Das Ziel einer resilienten Lieferkette ist es, wieder das Leistungsniveau vor einer Störung zu erreichen.

  • Was ist das SCOR Modell?

Die Abkürzung SCOR steht für Supply Chain Operations Reference. Das SCOR-Modell kann zur Analyse, Bewertung und Optimierung von internen und externen Prozessen entlang einer Wertschöpfungskette angewandt werden. Dies ist wichtig, da ein ständiger Überblick über die Lieferkette gegeben sein soll.

Der sogenannte Bullwhip-Effekt, auch Peitscheneffekt genannt, bezeichnet Schwankungen in der Nachfrage entlang mehrstufiger Lieferketten. Diese Schwankungen können durch Probleme in der Kommunikation oder Abstimmung zwischen den einzelnen Stufen einer Lieferkette entstehen.

  • Was versteht man unter Supply Chain 4.0?

Unter Supply Chain 4.0 versteht man das Einbinden von Technologien wie künstliche Intelligenz, Big Data oder Blockchain. Das Ziel ist es effizientere Abläufe und letztendlich eine effizientere Supply Chain zu schaffen.

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