Eine oft unterschätzte Rolle nehmen DolmetscherInnen in internationalen Geschäften ein, denn ein/e gute/r DolmetscherIn kann mehr als „bloß“ übersetzen. Zum einen vermag er oder sie neben dem Stil auch die Absicht des/der SprecherIn zu kommunizieren. Zum anderen kann ein/e gute/r DolmetscherIn auch interkulturelle Hilfestellung leisten oder Aussagen so formulieren, dass diese in den Ohren des Gegenübers richtig ankommen. Dies ist im Exportgeschäft von entscheidender Bedeutung, um etwaigen Missverständnissen im Kontakt mit VertriebspartnerInnen und/oder KundInnen im Ausland vorzubeugen. Kommunikationsprobleme entstehen oft, wenn die Informationsvermittlung von SenderIn an EmpfängerIn nicht in der beabsichtigten Weise erfolgt. Hier spielt die Beziehung sowie die nonverbale Verständigung zwischen den kommunizierenden Parteien eine bedeutende Rolle. In diesem Zusammenhang ist auf das „Vier-Ohren-Modell“ oder „Kommunikationsquadrat“ von Friedemann Schulz von Thun zu verweisen. In letzterem definiert der Kommunikationsexperte vier Gesprächs-/Interpretationsebenen, die beim Senden einer Nachricht an eine/n bestimmte/n EmpfängerIn berücksichtigt werden sollten:

Quelle: Das Kommunikationsquadrat, in: Schulz von Thun Institut für Kommunikation

  • Sachinhalt: Hierunter versteht man die neutrale Vermittlung von Daten, Fakten sowie Sachverhalten in einer Nachricht. Wichtig ist hierbei, dass sich der/die SenderIn so deutlich und genau wie möglich ausdrückt.
  • Appell: Der Appell beschreibt den Versuch der Einflussnahme des/der SenderIn auf den/die EmpfängerIn und zeigt sich darin, dass von dem/der EmpfängerIn eine bestimmte Reaktion gefordert und/oder gewünscht wird. Dies kann explizit oder implizit kommuniziert werden.
  • Beziehungshinweis: Auf der Beziehungsebene des Sendens gebe ich zu verstehen, wie mein Verhältnis zu dem/der EmpfängerIn ist. Häufig wird dies im Zuge nonverbaler Kommunikation vermittelt. Der Tonfall und wie etwas formuliert wird, sind hier ebenfalls entscheidend!
  • Selbstkundgabe: Bei jedem Gespräch gibt der/die SenderIn immer auch etwas über sich selbst, d.h., über seine/ihre Motive, Gefühle, Werte, etc. preis. Der/Die EmpfängerIn nimmt dies über sein/ihr Selbstoffenbarungsohr auf und interpretiert so die Persönlichkeit seines/ihres Gegenübers.

Professionelle DolmetscherInnen wissen diese vier Kommunikationsebenen auch im interkulturellen Austausch in der Zielsprache korrekt zu vermitteln. Falls notwendig werden die Inhalte einer Nachricht an die jeweilige Zielkultur angepasst, um die Ursprungsbedeutung der Äußerung an den/die EmpfängerIn vermitteln zu können. Ihr/e DolmetscherIn sollte zudem nicht nur sprachlich gut ausgebildet sein, sondern auch Fachwissen zur jeweiligen Branche mitbringen. Weihen Sie Ihre/n DolmetscherIn daher bei entsprechendem Vertrauen auch in folgende Dinge mit ein und geben Sie ihm Zeit für die Vorbereitung:

  • Stand der Geschäfte?
  • Wer ist der/die VerhandlungspartnerIn?
  • Um was genau wird es gehen?
  • Gab es Probleme im Vorfeld?
  • Welches Ziel verfolgen Sie?

Es könnte auch vorkommen, dass Ihr Gegenüber Sie einmal nicht richtig versteht, aber, um das Gesicht zu wahren, dies nicht zugeben möchte. Gehen Sie dazu auf Ihre GesprächspartnerInnen ein und ziehen Sie gegebenenfalls zur Sicherheit aller eine/n DolmetscherIn heran!

Die AußenwirtschaftsCenter im Zielland haben entsprechende Listen mit DolmetscherInnen. In  Österreich finden Sie z. B. auf der Website des Österreichischen Verbandes der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Dolmetscher Unterstützung für fast jede Sprache.

 

© Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt [2018, ICS Internationalisierungscenter Steiermark GmbH].

Hier finden Sie Fact Sheets und Link-Listen, die Sie bei Fragen rund um Marketing und Interkulturelles unterstützen können.